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 Das Spiegelbild (Tod-Reihe)

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maggie
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BeitragThema: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 06, 2009 3:47 am

Das Spiegelbild

Ausdruckslos war das Gesicht, das ihr entgegenblickte. Es war ihr Gesicht, ihre eigene Reflektion im Spiegel, vor dem sie nun schon eine Weile saß.
Müde stützte sie ihren Kopf mit ihren Händen ab und überlegte, was sie tun sollte.
Ihre Schminke war verwischt, aber nicht vom Weinen, denn weinen konnte sie schon lange nicht mehr.
Sie fühlte weder Trauer noch Freude, sie fühlte überhaupt nichts mehr. Mit Ausnahme des tiefen Risses, der sich durch ihre Seele zog. Ein Abgrund, eine Schlucht, gefüllt mit nichts als Leere.

„Sophie, kommst du? Das Essen ist fertig.“, hörte sie ihre Mutter durchs Haus rufen.
„Nein, ich bin heute nicht hungrig.“, antwortete sie.

Eigentlich war sie in letzter Zeit nie hungrig gewesen. Sie hatte ihrer Mutter zuliebe gegessen… und gelächelt und so getan, als wäre alles in Ordnung.
Dabei löste jede Emotion, die sie ihrer Familie oder ihren Freunden vorspielte, einen Schmerz in ihr aus. Dieser Schmerz kam aus den Tiefen ihrer sterbenden Seele und nur er allein gab ihr die Gewissheit, dass sie überhaupt noch am Leben war.
Sophie seufzte und schloss die Augen. Niemand wusste, was in ihr vorging und niemand wusste, was sie dachte.

„Was soll’s, es kann mir ja doch niemand helfen. Wer würde mich schon verstehen?“, flüsterte sie und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen.

Ja, sie wusste, warum sie sich in diesem Zustand befand, diesem Zustand der absoluten Hoffnungslosigkeit.
Es waren das Leben und die harte Realität, die sie eines Nachts eingeholt hatten.
In dieser Nacht vor einigen Monaten war sie sich über die Welt und alles, was es darauf gab, bewusst geworden. Hunger, Krieg, Not, Gewalt, Politik, Fanatismus, Mord und viele andere Dinge hatten sich in ihr Herz und ihr Gehirn eingebrannt.
Sophie konnte einfach nicht verstehen, warum es all diese Dinge überhaupt gab. Die Menschen schienen nicht aus ihren Fehlern zu lernen. Stattdessen blickten sie auf ihre eigene Geschichte zurück und wiederholten das, was sie in der Vergangenheit als furchtbar und verantwortungslos bezeichnet hatten. Warum lernten die Menschen nicht aus der Geschichte und dem, was sich dort zutrug. Obwohl bekannt war, dass Kriege Schreckliches anrichteten, begannen und führten die Menschen sie weiterhin. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, erfanden sie von Krieg zu Krieg immer schlimmere, verheerendere Waffen.
Nein, das konnte Sophie nicht verstehen.
In den Wochen nach dieser Nacht der Erkenntnisse hatte sie sich in einer Welt von Gedanken und Gefühlen verirrt. In dieser Zeit hatte sie alles viel intensiver wahrgenommen, intensiver erlebt und viel intensiver gefühlt.
Ihre Gedanken und Emotionen waren so hoch konzentriert gewesen, dass es sie wohl irgendwann wahnsinnig gemacht hätte. Doch nach einem wochenlangen Kampf mit der Welt und sich selbst kehrte Ruhe ein. Eine betrügerische Ruhe, die – wie sich bald herausstellte – außerdem äußerst gefährlich war. Ihre Gedanken hatten sich geordnet und waren weiterhin präsent gewesen, während ihre Emotionen mehr und mehr verschwunden waren, bis nichts mehr davon übrig war. Und so wandelte Sophie nun seit einiger Zeit als leere Hülle durchs Leben.
Dabei wusste sie nicht, wie sie diesem Zustand, in dem sie sich nun schon so lange befand, entkommen konnte. Sie wusste nicht einmal, ob sie das überhaupt wollte. Ihr war alles so egal geworden und obwohl sie diese Tatsache natürlich nicht sonderlich störte, wusste sie doch, dass sie handeln musste, um irgendeine Veränderung zu erwirken.
Ihr Dasein nutzte weder ihr noch sonst jemandem, und sie war es leid, allen immer etwas vorzuspielen. Sie hatte keine Kraft mehr dafür, der Riss in ihrer Seele hatte eine Tiefe erreicht, die sie lähmte und die sie beinahe vollkommen willenlos machte.
Sophie ließ ihre Hände auf den Spiegeltisch, an dem sie saß, sinken und musterte sich selbst.
Ihre grünen Augen hatten jegliches Leuchten verloren und blickten ihr leer entgegen. Dennoch verlor sie sich für einen Moment in ihren eigenen Augen, so, als hoffte sie darin etwas zu finden, das ihr weiterhalf.
Ein Klopfen an ihrer Zimmertüre ließ sie hochschrecken.

„Sophie, entweder du schaltest um auf ein anderes Lied oder du machst deine Musik ganz aus. Aber dein Vater kann dein „Hallelujah“ nicht mehr hören…und ich auch nicht.“, hörte sie die aufgedrehte Stimme ihrer Mutter.
„Ja, ich dreh die Lautstärke runter.“, antwortete Sophie und erhob sich von ihrem Sessel.

Sie trottete zu ihrer Stereoanlage hinüber und machte die Musik etwas leiser. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass Jeff Buckleys „Hallelujah“ schon über eine Stunde in Dauerschleife lief. Aber das Lied gefiel ihr, deshalb schaltete sie es nicht weg.
Es war Abend und draußen war es bereits dunkel geworden. Sophie ließ sich auf ihr Bett fallen, blickte zur Zimmerdecke empor, an der ein paar Leuchtsterne klebten, und lauschte der ruhigen Stimme von Mister Buckley. Früher hatte Musik sie tief berühren können, das war ihr schon lange nicht mehr passiert. Früher war vieles so anders gewesen, anders und so viel leichter. Dennoch vermisste sie ihr früheres Leben nicht, sie sehnte sich lediglich nach Veränderung…und nach Erlösung.

„Maybe there’s a God above…“, kam es aus den Boxen ihrer Stereoanlage.

Ja, vielleicht gab es wirklich irgendwo einen Gott, dies bezweifelte Sophie eigentlich gar nicht. Aber sie war davon überzeugt, dass, wenn es Gott gab, er der Welt den Rücken gekehrt hatte. Er hatte seine Schöpfung verlassen, er hatte sie sich selbst überlassen, er ließ sie in ihr Verderben rennen.
Dies beantwortete für sie auch die von vielen Menschen gestellte Frage: „Wenn es Gott gibt, warum lässt er dann Schmerz, Not und Elend zu?“
Vor über zweitausend Jahren hatte Jesus die Menschheit durch seinen Tod erlöst. Und auch sie selbst würde der Tod bald erlösen. Sophie hatte schon vorgesorgt, sie musste sich nur noch für einen Tag entscheiden.
In zehn Wochen hatte sie ihren siebzehnten Geburtstag, bis dahin würde sie noch durchhalten. Doch danach würde sie schnell von den Medikamenten, die sie aus der Arztpraxis ihres Vaters gestohlen hatte, Gebrauch machen. Sie würde die zehnfache der empfohlenen Tagesdosis mit einem Glas hochprozentigen Alkohols hinunterschlucken, sich eine Plastiktüte über den Kopf stülpen und friedlich einschlafen – für immer. Ihre Familie würde es erst am nächsten Morgen merken, wenn sie nicht zum Frühstück auftauchte.
Sophie seufzte, sie konnte den Tag ihrer Erlösung nicht mehr erwarten, auch wenn sie wusste, welchen Schmerz sie damit in ihrer Familie und in ihrem Freundeskreis verursachen würde. Aber wie vieles andere, war ihr auch das egal. Der Tod bedeutete für sie ewige Stille und ewigen Frieden und danach sehnte sie sich.
Was sie jedoch nicht wusste war, dass der Tod schon seit einigen Tagen nicht mehr von ihrer Seite gewichen war. Für sie und alle anderen war er unsichtbar, doch er befand sich stets in Sophies Nähe. Er flackerte und flimmerte und hatte keine wirkliche Gestalt. Dennoch war er hier und dies konnte die 16-Jährige sehr wohl spüren. Die Anwesenheit des Todes ließ ihre Sehnsucht nach ihm bis ins Unerträgliche wachsen.
Sophie stand auf und setzte sich wieder an ihren Spiegeltisch. Sie zog ein Blatt Papier und einen stumpfen Bleistift aus einer der beiden Schubladen und begann herum zu kritzeln, um sich etwas abzulenken.
Dabei sah sie nicht, dass ihr Spiegelbild nicht ihr selbst entsprach. Die Person, die darin zu sehen war, war zwar immer noch sie, aber in einer älteren Version. Das Spiegelbild gab eine etwa dreiundzwanzigjährige Sophie wider, die es noch gar nicht gab und die es wohl auch nie geben würde.

„Ich möchte wissen, warum du all das aufgibst.“, sagte das Spiegelbild.

Doch die Stimme der Erscheinung verursachte keine Schallwellen in der Luft, die an Sophies Ohren hätten dringen können. Stattdessen verursachte sie Schallwellen, die von Sophies Seele – und nur von Sophies Seele – empfangen werden konnten.

„Wenn du nur sehen könntest, wie du vorher warst und wie du später sein wirst. Du bist die Gefangene deiner selbst.“, begann das Spiegelbild, „Du sagst, es sei niemals leicht und du sagst, nichts sei von Bedeutung. Doch ist das Leben den Schmerz nicht wert? Wenn es doch das Leben ist, das uns auch so viel Gutes gibt?“

Die Erscheinung blickte zum Tod hinüber, der inzwischen an Sophies Schreibtisch lehnte. Er verhielt sich vollkommen ruhig, als würde er den Worten des Spiegelbildes gebannt lauschen.

„Du willst nicht sterben, weil der Tod anwesend ist. Der Tod ist anwesend, weil du sterben willst. Deine Zeit ist noch nicht gekommen, er will dir dein Leben gar nicht nehmen. Aber wenn du dein Vorhaben in die Tat umsetzt, hat er keine andere Wahl, als dein Leben in Empfang zu nehmen. Denn es ist seine Bestimmung, ausgelebte Leben an der Hand zu nehmen und an einen Ort zu führen, der auf keiner Karte zu finden ist.“

Sophies Herz begann plötzlich schneller zu schlagen, ohne, dass sie einen Grund dafür erkennen konnte. Gleichgültig wie sie war, zeichnete sie unbeeindruckt weiter.

„Die Hoffnung ist aus deinen Augen verschwunden, aber, ich sage dir, es gibt tausende Gründe, um durchzuhalten. Hör nicht auf zu leben…“, sagte das Spiegelbild sanft, aber mit ernster Mine.
„Wen wundert es, dass ich alle Hoffnung verloren habe? Bei allem, was auf dieser Welt passiert? Mir fällt nichts ein, was das Leben für mich lebenswert machen würde. Nenne mir nur einen guten Grund, um durchzuhalten und ich halte durch.“, hörte Sophie sich selbst flüstern.
„Das ist nicht nötig. Schau nur, Sophie, du hast dir den wichtigsten Grund schon selbst genannt…“, lächelte das Spiegelbild.

Obwohl die 16-Jährige die Stimme der Erscheinung nicht direkt hören konnte, blickte sie instinktiv auf das Blatt Papier, das vor ihr auf dem Tisch lag. Verwirrt stellte sie fest, dass sie die ganze Zeit an einem großen Herz herum gezeichnet hatte. Sie wusste, dass das Herz ein sehr beliebtes Symbol für Liebe war. Irritiert dachte sie: „Liebe?“
Sophie schreckte hoch. Ihr Kopf dröhnte und es fühlte sich so an, als würde ihr Gehirn pulsieren.

„Hallelujah, Hallelujah…“, hörte sie die Stimme von Jeff Buckley ruhig singen.

Sie war in ihrem Bett eingeschlafen, nachdem sie die Musik leiser gedreht hatte. Skeptisch blickte sie zu ihrem Spiegeltisch hinüber. Dort lag kein Zettel, auf den sie selbst oder sonst jemand ein Herz hätte zeichnen können. Aber sie konnte irgendwie nicht glauben, dass sie alles, was eben geschehen war, nur geträumt hatte.
Als sie sich schlaftrunken von ihrem Bett erhob, spürte sie auf einmal etwas, das sie schon sehr lange nicht mehr gespürt hatte. Fassungslos schüttelte sie ihren Kopf, während ihre Hände zu ihren Wangen hochwanderten.
Sie spürte wie eine angenehme Wärme ihren Brustkorb flutete, als ihre Finger die Spuren der Tränen, die sich ihre Wege über ihr Gesicht bahnten, ertasteten.

„Liebe.“, flüsterte sie und begann zu lächeln.


Zuletzt von maggie am Sa Jun 13, 2009 10:39 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 06, 2009 5:46 pm

Shocked Shocked Shocked Shocked Wow! Shocked Shocked Shocked Shocked

Ich weiß gerade nicht wirklich was ich anderes sagen soll. Großes Lob! Wahnsinn! Deine Geschichte hat sich den direkten Weg in meinen Kopf und mein Herz gebahnt.

Deine Worte sind super gewählt! Du triffst damit auf so viel Widerspruch und Zustimmung in mir, dass ich gerade, wie oben schon geschrieben, nicht wirklich schreiben kann.

Aber auf jeden Fall möchte ich dir sagen dass diese Kurzgeschichte echt Wellen hat schlagen lassen. Zumindest in meinem Leben.

Glg
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 06, 2009 9:36 pm

Oh Shocked
Vielen lieben Dank für dein Feedback! I love you

Diese Geschichte spukte mir schon seit Monaten im Kopf herum und letzte Nacht konnte ich sie endlich in Worte fassen.

Mal eine Frage: Ist es schwer zu verstehen? Ist es kompliziert mit den Spiegelbild oder ist es kein Problem da mitzukommen?
Ach...und ist es verwirrend, dass Sophie dann einen Teil der Geschichte nur geträumt hat?
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 06, 2009 11:03 pm

Gott sei Dank konntest du sie in Worte fassen! Sie ist echt unglaublich geworden! Smile

Also ich finde nicht dass es schwer zu verstehen ist, ich bin leicht mitgekommen. Das Spiegelbild ist für mich eher faszinierend und nicht verwirrend.
Damit dass Sophie einen Teil der Geschichte nur geträumt hat, hast du mich anfangs verwirrt, aber bei genauerem Nachdenken hat es Sinn ergeben.

So, ich hoffe ich hab dich mit meinen Antworten jetzt nicht verwirrt Wink

Glg
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   So Jun 07, 2009 8:34 pm

Nein, du hast mich nicht verwirrt. :-)

Ich bin froh, dass die Geschichte gut verständlich ist. Und es ist gut, dass man auch bissel drüber nachdenken muss, um sie zu 100% zu verstehen...wegen dem Traum, mein ich.

Ich würd mir jetzt nur noch wünschen, dass du mir deine Lieblingsstelle und deinen Lieblingssatz aufschreibst.
Achja...und was du denkst, wer/was das Spiegelbild ist.

Das fänd ich ganz spannend!
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Mo Jun 08, 2009 12:37 am

Also meine Lieblingsstelle ist einfach Smile Sie ist zwar etwas lang, aber mir gefällt der ganze Absatz total gut.

maggie schrieb:

„Die Hoffnung ist aus deinen Augen verschwunden, aber, ich sage dir, es gibt tausende Gründe, um durchzuhalten. Hör nicht auf zu leben…“, sagte das Spiegelbild sanft, aber mit ernster Mine.
„Wen wundert es, dass ich alle Hoffnung verloren habe? Bei allem, was auf dieser Welt passiert? Mir fällt nichts ein, was das Leben für mich lebenswert machen würde. Nenne mir nur einen guten Grund, um durchzuhalten und ich halte durch.“, hörte Sophie sich selbst flüstern.
„Das ist nicht nötig. Schau nur, Sophie, du hast dir den wichtigsten Grund schon selbst genannt…“, lächelte das Spiegelbild.

Und mein Lieblingssatz ist auch einfach, denn er kommt in meinem Lieblingsabsatz vor Smile

maggie schrieb:

„Die Hoffnung ist aus deinen Augen verschwunden, aber, ich sage dir, es gibt tausende Gründe, um durchzuhalten. Hör nicht auf zu leben…“, sagte das Spiegelbild sanft, aber mit ernster Mine.

Das Spiegelbild könnte ich mir vorstellen dass eine innere Stimme ist. Oder Gott. Auf jeden Fall etwas, bzw. eine Macht, der Sophie zuhört. Die sie hört und die nur sie hören kann. Vielleicht sogar ein Engel? Oder sie selbst im letzten verzweifelten Versuch sich selbst zu retten. Aber da gefällt mir die Vorstellung von Gott oder einem Engel besser Wink
Ich merke gerade dass man da total viel reininterpretieren kann.. oh je oh je, das wird eine lange Nacht fürchte ich Very Happy

So, ich hoff du bist nicht enttäuscht über meine Interpretation... aber so ist es nun mal Wink
Woran hast du Gedacht beim Spiegelbild? Das würde mich genauso interessieren. Und hast du auch einen Lieblingssatz? Smile

Glg
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Mo Jun 08, 2009 2:24 am

Danke, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast. I love you

Deine Lieblingsstelle finde ich interessant...eine schöne Stelle.
Aus deinem Lieblingssatz gefällt mir vor allem das "Hör nicht auf zu leben...".

Meine Lieblingsstelle...ui...das ist schwer.
Aber ich nehme jetzt mal die hier:

Zitat :
„Du willst nicht sterben, weil der Tod anwesend ist. Der Tod ist anwesend, weil du sterben willst. Deine Zeit ist noch nicht gekommen, er will dir dein Leben gar nicht nehmen. Aber wenn du dein Vorhaben in die Tat umsetzt, hat er keine andere Wahl, als dein Leben in Empfang zu nehmen. Denn es ist seine Bestimmung, ausgelebte Leben an der Hand zu nehmen und an einen Ort zu führen, der auf keiner Karte zu finden ist.“

Mein Lieblingssatz ist folgender:

Zitat :
"[...]Doch ist das Leben den Schmerz nicht wert?[...]"

Das Spiegelbild. Ehrlich gesagt habe ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wer oder was das Spiegelbild sein könnte.
Als ich die Idee zu der Geschichte hatte, sah ich im Spiegelbild das, was es darstellte: eine ältere Sophie, die auf seltsame Art und Weise eine Verbindung zu ihrem vergangenen Ich herstellen kann. Sie hilft sich quasi selbst.
Eigentlich ist schon das Spiegelbild selbst ein Hinweis darauf, dass Sophie sich schließlich doch nicht das Leben nehmen wird.
Also vielleicht ist das Spiegelbild das personifizierte Leben. Ich weiß es nicht.
Meine Lieblingsfigur ist allerdings nicht das Spiegelbild - so faszinierend es auch sein mag. Meine Lieblingsfigur ist der Tod. Ich habe ihn auch als unschuldig dargestellt. Als ein Wesen, das seine Aufgabe eigentlich nicht machen will, aber eben dazu geschaffen wurde. Es ist meiner Ansicht nach generell nicht der Tod, der Leben nimmt. Zwischen Leben und Tod gibt es noch etwas anderes. Der Tod hat nicht die Macht Leben zu nehmen oder zu beenden. Der Tod ist nichts Böses. Nur...wer oder was genau nimmt dann Leben?

Übrigens, falls es dich interessiert.
Ich wurde von einem Lied zu dieser Geschichte inspiriert. Es heißt "Us" und ist von Céline Dion.
Hör's dir mal an, wenn du magst und du die Möglichkeit dazu hast. Kannst mir dann auch gern sagen, wie du das Lied mit der Geschichte verbindest (oder auch nicht verbindest).

flower
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Do Jun 11, 2009 7:29 pm

Ich finde deine Geschichte wirklich große Klasse!
Du hast echt Talent zum Schreiben! Wenn ich das so im Internet gefunden hätte und dich nicht kennen würde, hätte ich das einem großen Autor zugeschrieben, der sich viel mit Philosophie beschäftigt hat! Aber dadurch, dass die Geschichte von dir ist, gibts von mir ein extra GROßES LOB Respekt Respekt Respekt

Zur Geschichte selbst: Ich mag die allegorischen Figuren! Dass der Tod an Sofies Tisch lehnt und dem Spiegelbild lauscht! Total toll! Und das Spiegelbild ist für mich auch eher eine allegorische Figur, so wie es beim "Jedermann" auch ganz viele verschiedene Allegorien gibt, die nicht immer negativ sein müssen! Toll umgesetzt in der Geschichte!

Ich fands auch gar nicht schwer zu verstehen. Anfangs hab ich zwar gedacht, sie hätte den Traum auch in kursiv schreiben können, aber dann hab ich gefunden, dass es der Geschichte, dem Fluss der Geschichte einen Abbruch getan hätte. Dann hätten die Leser vielleicht sofort gewusst, ah, das ist ein Traum, oder das ist in der Vergangenheit passiert, was auch immer. Zumindest gehts mir immer so, dass ich mir denke, ah, da passiert jetzt etwas "anderes" und dann ist die Spannung auch etwas weg.
Und wie du es geschrieben hast, passt auch total gut! Also nochmals großes Lob von mir Daumen Hoch

Meine Lieblingsstellen:
„Die Hoffnung ist aus deinen Augen verschwunden, aber, ich sage dir, es gibt tausende Gründe, um durchzuhalten. Hör nicht auf zu leben…“, sagte das Spiegelbild sanft, aber mit ernster Mine.
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Fr Jun 12, 2009 2:09 pm

Oh...wow, danke Kemijoki! Shocked

Ich mag allegorische Figuren auch sehr gerne.
Ich hab vor, eine Tod-Reihe zu schreiben. Zwei Kurzgeschichten dazu gibt es ja schon: "Der Tod" und "Das Spiegelbild";
Es sind noch mindestens ein bis zwei weitere in Planung. Ich brauch nur noch Ideen.

Ich hab mir auch überlegt, ob ich gewisse Teile der Geschichte kursiv schreiben soll, aber dann hab ich's doch gelassen...aus demselben Grund, den du auch angegeben hast.
Und solange man trotzdem mitkommt, ist eh alles in Ordnung. Wink

Vielen Dank nochmal! Auch an Survivor!
Alles Liebe
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Fr Jun 12, 2009 9:29 pm

Ach, ich habs vergessen!
Als ich sie zum ersten Mal gelesen hatte, konnte ich mich nicht so ausdrücken und hab das komentieren verschoben, aber jetzt ist doch schon einige Zeit vergangen Laughing

Ich habe, glaube ich bisher noch keine Geschichte von dir gelesen. Aber ich bin jetzt schon ein riesen Fan von dir.
Du hast einen super Schreibstil! Die Gedanken von Sophie, der Tod und der Traum kommen super rüber, nicht so überspitz wie man sie vielleicht wo anders finden würde Respekt !!

Zitat :
„Maybe there’s a God above…“, kam es aus den Boxen ihrer Stereoanlage.

Ja, vielleicht gab es wirklich irgendwo einen Gott, dies bezweifelte Sophie eigentlich gar nicht. Aber sie war davon überzeugt, dass, wenn es Gott gab, er der Welt den Rücken gekehrt hatte. Er hatte seine Schöpfung verlassen, er hatte sie sich selbst überlassen, er ließ sie in ihr Verderben rennen.
Dies beantwortete für sie auch die von vielen Menschen gestellte Frage: „Wenn es Gott gibt, warum lässt er dann Schmerz, Not und Elend zu?“

Das ist meine Lieblingstelle, wie bist du zu dieser Überlegung gekommen?
Ich finde diese Teorie sehr intressant und Logisch. Ich habe schon oft überlegt und bin zu nichts gekommen.
Seit dem ich deine Geschichte gelesen haben, bin ich nicht mehr so genervt wenn ich in die Kirche gehe, weil es doch einen Grund hat hin zu gehen. Nämlich weil wir beten und hoffen könen, Gott würde sich doch irgendwann wieder zu uns wenden!

Und mein Lieblingssatz ist:

Zitat :
Du willst nicht sterben, weil der Tod anwesend ist. Der Tod ist anwesend, weil du sterben willst

Ich finde diesen Satz, sehr intelligent und sehr überlegt. Dieser Satz sagt meiner Meinung nach viel aus. Letzten hab ich noch so einen in der Art gehört: Nicht Waffen töten Menschen, sonder Menschen töten Menschen!
Ich finde beide Satze haben sowas von recht. Ein Mensch bestimmt zu einem gewissen Grad selber über den Tod und nicht sehr so genannte "Todesengel". Natürlich gibt es aus Zufälle und nicht Vorhersehrbare Tode, aber das heißt nicht, dass wir es, zu Teil, nicht selber beeinflussen können.

Ich kenne ja deine Stilrichtung nicht, daher fand ich es überhaupt nicht verwirren, dass Sophie zum Spiegel gegangen ist und er plötzlich zu ihr gesprochen hat.

Aufjeden Fall noch mal ein großes Lob an dich. Ich bin froh, dass du es doch noch geschafft hast deine Gedanken zu dieser Geschichte zu ordnen Very Happy

GLG Marion
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 13, 2009 12:21 am

Hey...vielen lieben Dank!
Wow, freut mich, dass meine Geschicht so gut ankommt bei euch!


Zitat :
Das ist meine Lieblingstelle, wie bist du zu dieser Überlegung gekommen?

Weißt du, ich philosophiere sehr viel und denke sehr viel nach. Das wurde mir so in die Wiege gelegt. Wink
Ich persönlich glaube nicht, dass Gott sich von uns Menschen (und der Welt) abgewandt hat. Ich denke, es ist genau umgekehrt.
Aber Sophie denkt in ihrer Hoffnungslosigkeit, dass natürlich nur Gott derjenige sein kann, der sich abgewandt hat. Dass deshalb alles den Bach runtergeht.
Ich persönlich denke, dass wir Menschen nur einfach nicht mehr genug in uns hineinhören. Gott stellt überall Wegweiser auf, aber wir ignorieren sie bzw. sehen sie einfach nicht.

Der Spruch "Nicht Waffen töten Menschen, sonder Menschen töten Menschen!" gefällt mir wirklich sehr gut. Steckt auch sehr viel Wahrheit drin.

Hmm...nach meiner Tod-Reihe sollte ich vielleicht auch eine Gott-Reihe machen. Mal schauen, ob ich Ideen dazu habe...

Ach...und Tinkerbell, wenn du magst, kannst du auch noch meine Geschichte "Der Tod" lesen. Vielleicht gefällt dir die ja auch so gut. Wink
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 13, 2009 7:58 pm

Ja, ich denke, ich schau mir mal die andere Geschichte an! Wink

Deine eigene Meinung zum Thema Gott klingt auch sehr logisch! Diese Überlegung gefällt mir auch sehr gut, ich persönlich weiß nicht so recht was ich glaube soll.
Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem. Vielleicht haben sich die Menschen abgewant - keine Lust mehr, wir sind zu vorgeschritten um an sowas zu glauben - und Gott hat es in einer gewissen Weise aufgegeben, ist nur noch für Menschen da, die etwas offenherziger sind.... Ich weiß nicht...

Mich würde eine Gott-Reihe sehr interessieren, vielleicht könnte dann nicht nur ich mir meine persönliche Meinung bilden, sondern auch andere Leute...
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BeitragThema: Re: Das Spiegelbild (Tod-Reihe)   Sa Jun 13, 2009 8:26 pm

Ich frage mich, wie man zu fortgeschritten sein kann, um an Gott zu glauben. Wink
Aber ich glaube, du meinst da jetzt nicht direkt Gott oder den Glauben, sondern die "Institution Kirche" mit all ihren Regeln, Dogmen und Glaubenssätzen.
Ich bin katholisch getauft, bin eigentlich auch gern Katholikin (ich würde nicht konvertieren wollen zum Orthodoxen oder Evangelischen, weil ich mich als Katholikin eigentlich wohl fühle), bezeichne mich aber lieber mit dem Allgemeinbegriff "Christin", da ich für die Katholische Kirche nicht allzu viel übrig hab. Klar...sie machen auch gute Sachen, das kann und will ich auch gar nicht leugnen. Aber so manche Dinge versteh ich halt nicht.
Ich nehme die Bibel jetzt auch nicht wortwörtlich. Ich glaube nicht, dass Gott jedes Pflänzchen, Tierchen und Menschlein einzeln auf die Welt gesetzt hat.
Aber ich glaube, dass Gott der Ursprung allen Lebens ist. Ich glaube, es war Gottes Wille, dass wir (damit meine ich das gesamte Universum, nicht nur uns Menschen) existieren. Und ich glaube, dass wir alles, was wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können, ihm zu verdanken haben. Wir sind seine Kreation, seine Schöpfung. Daran glaube ich.
Und genau aus diesem Grund denke ich nicht, dass wir je zu fortgeschritten für den Glauben an Gott sein können. Wir, die wir es nicht einmal schaffen, den Geheimnissen den Lebens auf den Grund zu kommen. Klar, wir haben Wissenschaftler und Forscher und sie erfahren ständig mehr über Dinge wie Genetik, das Weltall, neue Pflanzen- und Tierarten und so weiter.
Aber mal ehrlich...das Leben ist und bleibt einzig und allein ein Wunder, dem wir nie 100% auf die Spur kommen werden, weil es göttlichen Ursprungs ist. Wir übrigens auch...denn wir Menschen besitzen etwas, das sich "Seele" nennt. Wink

Der Anfang meiner Gott-Reihe ist bereits in Arbeit. Es wird auch recht philosophisch und metaphorisch werden...mein erstes Werk zu dem Thema, mein ich.
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