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 Kurzgeschichte

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Kemijoki
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BeitragThema: Kurzgeschichte   So Sep 02, 2007 4:03 pm

Es gibt keine einheitlichen Merkmale, der Gattungsbegriff „Kurzgeschichte“ ist nicht trennscharf. Die literarische Praxis der Kurzgeschichtenschreiber entscheidet über die Merkmale, die mit dem Begriff „Kurzgeschichte“ in Verbindung gebracht werden. Trotzdem lassen sich einige Merkmale finden, die vor allem für die deutsche Kurzgeschichte von 1945-1955 kennzeichnend sind:

Die Geschichte soll in einem Leseakt gelesen werden können.

Erzähltechnik und Sprache


* Meist personaler Erzähler, Bericht aus der Distanz, in einigen Texten aber auch Ich-Erzähler, z.B. bei Wolfgang Hildesheimers Kurzgeschichte „Ich schreibe kein Buch über Kafka“ oder auktoriale Erzählperspektive wie in Günter Bruno Fuchs' „Ein Baumeister hat Hunger“
* Keine oder nur sehr kurze Einleitung (Exposition); sofortiger Einstieg in die Handlung (in medias res), etwa durch Einführen der noch unbekannten Personen durch Pronomina.
* Techniken der Verdichtung durch Aussparungen, Andeutungen, Metaphern und Symbole.
* Chronologisches Erzählen hauptsächlich im Präteritum, teilweise Simultaneität durch innere Monologe, Einblendungen
* Die erzählte Zeit beträgt meist nur wenige Minuten oder Stunden, häufig wird das Geschehen auf wenige Augenblicke, eine exemplarische Situation, ein Bild oder eine Momentaufnahme reduziert.
* Lakonischer Sprachstil, Alltagssprache, teilweise Verwendung von Umgangssprache, Dialekt oder Jargon.
* Doppelbödigkeit, Mehrdeutigkeit: das geschilderte Alltagsereignis verweist auf komplexere Probleme, die oft über Metaphern und Leitmotive zu erschließen sind.
* Offener Schluss oder eine Pointe => Der offene Schluss „zwingt“ den Leser förmlich dazu, über das Geschehen nachzudenken, denn es bleiben noch Fragen übrig - der Leser muss zwischen den Zeilen lesen.
* Vermeiden von Wertungen, Deutungen, Lösungen.

Themen, Handlung und Personen


* Konfliktreiche, häufig nur skizzenhaft dargestellte Situation, geprägt von Emotionen.
* Ein oder zwei oft typisierte Hauptpersonen stehen im Mittelpunkt (es gibt jedoch auch Kurzgeschichten mit deutlich mehr Hauptpersonen). Personen werden nur in Aspekten beschrieben/charakterisiert.
* Die Geschichte spielt nur an wenigen Orten.
* Ein entscheidender Einschnitt aus dem Leben der handelnden Person oder Figur wird erzählt.
* Einsträngige Handlung.
* Wenig Handlung.
* Themen sind Probleme der Zeit.
* Meist gibt es einen Glückswechsel (Peripetie).
* Alltäglichkeit von Handlung und Personen: Die Figuren sind Menschen, die nicht herausragen oder heldenhaft auftreten.

Viele Autoren verstehen die Kurzgeschichte als offene Gattung und experimentieren mit verschiedenen Textelementen, etwa Aspekten von Fabeln, Märchen oder Sagen.

„Es gibt nicht die Kurzgeschichte. Jede hat ihre eigenen Gesetze [...]. Ich glaube, daß sie im eigentlichen Sinn des Wortes modern, das heißt gegenwärtig ist, intensiv, straff. Sie duldet nicht die geringste Nachlässigkeit, und sie bleibt für mich die reizvollste Prosaform, weil sie auch am wenigsten schablonisierbar ist. Vielleicht auch, weil mich das Problem 'Zeit' sehr beschäftigt, und eine Kurzgeschichte alle Elemente der Zeit enthält: Ewigkeit, Augenblick, Jahrhundert. Es ist ein ganz verhängnisvoller Irrtum, wenn etwa ein Redakteur zu einem Autor sagt: Schreiben Sie uns doch mal eine Kurzgeschichte. Sie können das doch...Es kann Jahre dauern,ehe ich mit einer Kurzgeschichte zu Rande komme, das heißt, ehe ich sie hinschreiben kann [...].“
– Heinrich Böll: zitiert nach Horst Bienek: Werkstattgespräche mit Schriftstellern. München 1968, S. 170



Geschichte:
Das Wort Kurzgeschichte ist dem amerikanischen short story nachgebildet. Die Bedeutung ist nicht die gleiche; denn short story dient als Sammelbezeichnung für alle kurzen epischen Prosaformen, z. B. auch die Novelle. Das, was wir unter Kurzgeschichte verstehen, entstand aus dem Bedarf von Zeitschriften nach kurzen Erzählungen und fasste nach vor allem angelsächsischen Mustern in unserem Jahrhundert in Deutschland Fuß. Nach 1945 kam sie unter einem erneuten Anstoß durch die amerikanische Literatur (Hemingway) zur vollen Blüte. Sie hat noch keine feste Form entwickelt; ihre Gesetze sind schwer fassbar und wandeln sich mit den Autoren. H. Böll sagt: »Ich glaube, dass sie im eigentlichen Sinne modern, das heißt gegenwärtig ist, intensiv, straff. Sie duldet nicht die geringste Nachlässigkeit, und sie bleibt für mich die reizvollste Prosaform, weil sie auch am wenigsten schablonisierbar ist.« Wenn auch eine genaue Definition schwierig ist, so ist doch nicht jede kurze Geschichte eine Kurzgeschichte. Böll charakterisiert sie als »intensiv, straff«.

Das wird erreicht durch einen plötzlichen Anfang, der uns mitten in eine Situation hineinführt, und durch einen ebenso unvermuteten Schluss. Der Ausgang der Geschichte bleibt offen, eine Lösung wird nicht gegeben. Dazwischen liegt meistens die Schilderung eines entscheidenden Lebensabschnitts, manchmal nur wenige Sekunden, die alltäglich erscheinen, aber Schicksalhaftes durchscheinen lassen. Sie ist linear (nicht in verschiedenen Schichten) erzählt und aus Einzelbeobachtungen montiert. Vorstufen der Kurzgeschichte sind die Kalendergeschichten (Hebbel); Verbindungen zur Anekdote, Novelle und Parabel sind deutlich.

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Quelle: wikipedia,livingbox
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